Ein lernbasierter Ansatz zur Digitalisierung von Gesundheitsdienstleistungen

Unser Projekt „Ein lernbasierter Ansatz zur Digitalisierung von Gesundheitsdienstleistungen“, das einen alternativen Ansatz zur Entwicklung von Informationsinfrastrukturen in einer Lernumgebung, die wir Learning Community nennen, erprobt, ist eins von insgesamt elf geförderten Projekten des ICT-Projekthauses der RWTH Aachen.

Ziel des Projekts ist es, einen alternativen Ansatz zur Entwicklung von Informationsinfrastrukturen zu erproben. Im Gegensatz zu traditionellen Ansätzen der Systementwicklung, in denen eine Informationsinfrastruktur zunächst basierend auf einem Modell des gewünschten Systems konstruiert und anschließend in einen spezifischen organisatorischen Kontext implementiert wird, betrachten wir Informationsinfrastrukturen als evolutionäre, sich durch stetige Anpassungen, Reparaturen, Übergangslösungen und Wiederverwendung von bestehenden Systemen und Geräten im Alltag der involvierten Praktiken fortlaufend weiterentwickelnde Phänomene. Trotzdem glauben wir, dass solche Entwicklungsprozesse angepasst und gestaltet werden können, allerdings nicht durch deren Modellierung oder die Definition von Anwendungsfällen, sondern durch das Ermöglichen und Gestalten von Lernprozessen innerhalb und zwischen den Akteuren in der Informationsinfrastruktur. Daher beabsichtigen wir, diese Akteure in einer Lernumgebung zusammenzubringen, welche wir als Learning Community bezeichnen.

Basierend auf mehrjährigen Ergebnissen aus Workshops und Interaktionen in solch einer Learning Community im Gesundheitssektor entwickeln wir momentan neue Wege für Patienten, sowohl aktiv an ihrer eigenen Arzneimitteltherapie als auch am Prozess der Entwicklung einer Informationsinfrastruktur, die Patienten mit Ärzten und Apothekern verbindet, mitzuwirken. Indem wir neue Arten von Interaktionen zwischen diesen Akteuren ermöglichen, schaffen wir neue Lernmöglichkeiten, deren Ergebnisse wiederum in den Diskussionen der Learning Community aufgegriffen werden und so die Grundlage für Veränderungen an bereits bestehenden Instrumenten oder für die Entwicklung vollkommen neuer Instrumente bilden. Ein wichtiger Aspekt unseres Ansatzes ist, dass diese Instrumente freigesetzt werden müssen, um die Lernprozesse unterstützen zu können. Das heißt, dass die Entwickler dieser Instrumente davon absehen müssen, beispielsweise strikte Anwendungsfälle vorzugeben. Daher sollen in dem Projekt auch mögliche Wege erforscht werden, um Software-Werkzeuge in diesem Sinne zu „befreien“, zum Beispiel durch den Einsatz von agilen Projektmanagement- und agilen Softwareentwicklungsmethoden und Open-Source-Prinzipien.